Glitzerndes, Schillerndes, Funkelndes – bunt strahlende Farben faszinieren uns seit jeher. Nicht ohne Grund werden tausende Varianten von Glitzerpartikeln hergestellt und auf unterschiedlichste Weise eingesetzt. Aber was genau ist eigentlich Glitzer, woraus besteht er und wofür wird er verwendet? Tauchen Sie mit uns ein in eine faszinierende Geschichte über das funkelnde Element.

Was ist Glitzer überhaupt?

Glitzer ist per se alles, was glänzt. Denn seinen Ursprung finden wir in dem altnordischen Wort “glitra”, was soviel bedeutet wie “glitzern”. Meist sind jedoch kleine glänzende Partikel gemeint. Sie kennen sicherlich die kleinen Döschen mit Glitzerstaub, die zu jeder Karneval- und Festival-Saison in Aufstellern in Läden präsentiert werden.

Aber die Nutzung von Glitzer ist wesentlich umfangreicher, als Sie vielleicht vermuten – und älter. Bereits im 14. Jahrhundert fand Glitzer erstmalig dokumentiert Verwendung. Doch sehr wahrscheinlich wurde er schon seit Beginn unserer Existenz unbewusst genutzt, da wir schon immer fasziniert von allem Funkelnden waren.

Natürliches Vorkommen von Glitzer

Da Glitzer schon seit jeher genutzt wird, erschließt sich auch, dass wir damit nicht nur die kleinen Döschen mit dem industriell gefertigten Streugut meinen. Wussten Sie, dass Glitzer auch auf vielfältigste Art in der Natur vorkommt? Bekanntlich vergessen wir oft das Naheliegendste: Licht, das im Meer durch das Wasser gebrochen wird und auch durch Blätter scheinende Sonne wird letztlich als Glitzereffekt von unseren Augen wahrgenommen. Dieses Naturschauspiel finden Sie in plätschernden Flüssen, als Warnfarbe auf Gefiedern und Häuten von Tieren sowie in Metallen und Gesteinen.

Am bekanntesten und auch noch heute in Gebrauch ist natürlicher Glitzer aus Mica. Mica sind Mineralien (auch Glimmer genannt), deren charakteristische Schichten im Licht schimmern. Das sind zum Beispiel Biotit, Muskovit und Fuchsit, welche typischerweise in den Gesteinen Granit, Glimmerschiefer, Marmor und Gneis vorkommen. In der konventionellen und Natur-Kosmetikindustrie erkennen Sie Mica als CI 77019 auf der Liste der Inhaltsstoffe. Aber auch in Autolacken, Tinte und sogar in essbarem Glitzer wird dieser natürliche Stoff eingesetzt.

Auch Glitzer tierischer Herkunft wurde seit Menschengedenken verwendet. So verzierte Kleopatra sich mit zermahlenen Käfern, deren farbiger Chitinpanzer auffallend glänzt. Perlmutt und Perlen, welche von Muscheln gewonnen werden, finden sich noch heute in Knöpfen, Halsketten und anderen schmückenden Verzierungen. Glitzer war also ursprünglich nichts von Menschenhand gefertigtes.

Ein Schwan schwimmt auf glitzerndem Wasser

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Industriell hergestellter Glitzer

Natürliche Ressourcen sind jedoch irgendwann erschöpft. Und weil man bei einer synthetischen Herstellung auch mehr Möglichkeiten besitzt, was Vielfalt, Qualität und Quantität angeht, wird Glitzer inzwischen in großem Maßstab industriell hergestellt.

Einer der ersten industriell hergestellten Glitzer bestand dabei aus Glas. Er war ein “Abfallprodukt” der Perlenmacher, die schon vor mehr als 160 Jahren z.B im Fichtelgebirge Glasperlen für Schmuck nutzten. Die übrig geblieben Reste wird dann abgeschliffen und in Form winziger Kügelchen als Glitzer verkauft. Dieser hat zum Beispiel den Vorteil, dass er sich nicht statisch auflädt. Er eignet sich jedoch eher zu dekorativen Zwecken

Meist werden die Glitzerpartikel heute aus einer  beschichteten Folie geschnitten. Je nach Beschichtung können unendlich viele Farben produziert werden. Übrigens: Aktuell geht der Trend von Glitzer aus Plastik hin zu umweltfreundlicheren Alternativen. So gibt es mittlerweile Bio-Glitzer, welcher aus natürlichen Ressourcen hergestellt wird und sogar kompostierbar ist.

Auf eine Hand fallen goldene Glitzerpartikel

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Warum ist Glitzerndes so beliebt?

Denken Sie einmal an Könige aus dem 18. Jahrhundert. Wie prunkvoll die Gewänder und Ballsäle ausgesehen haben müssen. Edelsteine wie Diamanten oder Rubine und Edelmetalle wie Gold und Silber symbolisierten schon immer Reichtum und Macht, seit der Mensch gelernt hat, diese in großem Stil abzubauen.

Was haben all diese wertvollen Objekte gemein? Sie glitzern! Ihren materiellen Wert erhalten Sie durch ihre Seltenheit und aufwändige Verarbeitung. Auch ärmere Menschen schmückten sich früher gern mit ähnlich glänzendem, aber wesentlich günstigeren Zinn. Und auch heute noch ist sogenannter Modeschmuck beliebt – teils trotz (oder dank) seines geringen Preises, teils weil er so wunderbar funkelt.

Manche Wissenschaftler vertreten sogar die Theorie, dass Glitzer uns an unsere evolutionäre Urheimat – das Meer – erinnere. An das Licht, dass sich in den Wellen bricht und an der Wasseroberfläche funkelt. Andere Theorien verbinden mit Edelmetallen und Edelsteinen die Affinität mit den Gestirnen. In jedem Fall verbinden wir Glitzerndes mit dem Besonderen und Wertvollen. Unsere Faszination dafür scheint nicht nachzulassen.

Wann wurde Glitzer erfunden?

Wie bereits erwähnt begeistert das faszinierende Funkeln uns Menschen schon seit jeher. Erfinder des Glitzers ist streng genommen also die Natur. Wenn wir von industriell gefertigten Glitzerpartikeln sprechen, führen uns die Wurzeln nach Deutschland in das 19. Jahrhundert.

Bereits seit 1854 gibt es SiLiGlit Glitter. Sigmund Lindner – Namensgeber und Gründer von SiLiGlit – begann in Warmensteinach im Fichtelgebirge weltweit Glitzer zu vertreiben. Anfangs bestand dieser aus Resten aus der Glasperlenherstellung für Schmuck. Es handelte sich bei dem ersten Produkt der Firma also um Glasglitter. Die Glaspartikel wurden so aufbereitet, dass ein dekoratives Streugut zum Veredeln allerlei Dingen entstand.

Verwendungsmöglichkeiten von Glitzer

Um alle möglichen Einsatzgebiete von Glitzer aufzuzeigen, müssten wir wahrscheinlich ein Buch schreiben. Die Möglichkeiten sind schier endlos und erweitern sich stetig durch neu entwickelte, industrielle Möglichkeiten. Dennoch möchten wir einen kleinen Überblick darüber geben, wofür Glitzer früher und heute eingesetzt wurde bzw. wird.

Ursprüngliche Verwendung

Wir wissen bereits, dass schon Jungsteinzeit-Menschen ihre Höhlenmalereien mit Mica aufpeppten und Kleopatra zermahlene, glänzende Käfer unter ihr Makeup gemischt hat. Und dass Könige ihre prunkvollen Ballsäle mit so vielen Edelsteinen wie möglich ausstaffiert haben. Doch da hörte die Verwendung von Glitzer früher noch lange nicht auf.

Im 18. und 19. Jahrhundert waren Metallicfäden beliebt, die direkt in Stoffe eingewebt wurden. In der Mode der 1920er Jahre verzierten Frauen ihre Kleider mit so vielen Pailletten und Perlen, dass diese sonst so zierlich anmutenden Modestücke dadurch ein beträchtliches Gewicht auf die Waage brachten.

Und auch im zweiten Weltkrieg fanden die schimmernden Plättchen ihren Platz. Denn in dieser Zeit war Wolle Mangelware, da diese für die Herstellung von Militär-Uniformen gebraucht wurde. Im Gegensatz dazu waren aber die funkelnden Pailletten noch immer verfügbar. Diese wurden benutzt, um triste Kleidungsstücke aufzuwerten und um sich in dieser schweren Zeit an etwas zu erfreuen. Ebenfalls Freude brachte nach diesen Jahren auffälliges Make-Up. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war solches zwar noch verpönt, seit den 1970ern hingegen sorgte Glitzer auch hier für gute Laune und Blickfänge.

Heutige Verwendung – Glitzer im Alltag

Spätestens seit dem Trend aus 2018, sein Gesicht mit möglichst viel Funkelndem zu schmücken, ist Glitzer nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Er begegnet uns überall, auch wenn er nicht immer sofort als solcher erkennbar ist. Oder haben Sie schon einmal recherchiert, was eigentlich in Ihrem glänzenden Lidschatten oder in Ihrem schillernden Autolack ist?

Ob als Regenbogen-Banner und bunter Körperschmuck in der LGBTQA+-Szene, als schillerndes Festival-Makeup oder in der dezent schimmernden Tagescreme – Glitzer kommt in allen Bereichen unseres Alltags mehr oder weniger auffällig vor.  Er kann in so ziemlich jedem Produkt eingesetzt werden. Am bekanntesten sind folgende Verwendungsmöglichkeiten von Glitzer:

  • dekorative Kosmetik (z.B. Lidschatten, Lippenstifte, Bodysprays, Haarsprays und Nagellacke)
  • Körperpflege (z.B. Badezusätze, Cremes und Seifen)
  • Industrie (z.B. Lacke und Baumaterialien)
  • Wohnen (z.B. in Wandfarben und Tapeten)
  • Verpackungen (z.B. Geschenkpapiere, Tüten und Schmuckbänder)
  • Papeterie (z.B. Grußkarten, Sticker und Tinten)
  • als politisches Statement (z.B. Glitzerbomben, Körperschmuck und Banner)
  • Dekoration (z.B. Basteln mit Kindern, älteren Menschen oder Menschen mit Behinderung und Aufhübschen von Festlichkeiten)
  • Forschung (z.B. Rasterkraftmikroskopie in der Oberflächenchemie)

Glitzer – mehr als nur ein Spaß

Sie sehen: Zu Glitzer gibt es also wesentlich mehr zu erfahren, als dass die kleinen Döschen bunter Glitzerstaub ein auffälliges Party-Makeup ergeben. Das Schimmern ist in der Menschheitsgeschichte tief verwurzelt und hat je nach Kultur seine ganz eigene Bedeutung. Immer jedoch verbinden wir es mit etwas kostbarem – und das bis heute.

Quellen
www.sarapavo.de/magisches-funkeln-festlicher-glanz/
www.steine-und-minerale.de/artikel.php?topic=4&ID=203